Buchbinder Jan Christodulow von der Druckwerkstatt Regel | Foto: Giovanni Lo Curto

Wir machen, was andere nicht hinkriegen.

Buchstaben-Setzkasten | Foto: Giovanni Lo Curto
Ein einst beliebtes Wohnraum-Accessoire das dem Zurschaustellen von Nippes diente, in seiner ursprünglichen Funktion zum Aufbewahren von Buchstaben: Der Setzkasten.
/ Foto: Giovanni Lo Curto /

Im Stadtteil umhergezogen

Die erste Buchbinder-Werkstatt von Jan Christodulow befand sich am Boxhagener Platz und die lief eigentlich gut. „Zuerst habe ich diese Arbeiten nur gelegentlich übernommen.“ Es gab bis 2004 noch die Auflage, dass nur Meisterbetriebe sich Buchbinder nennen durften. Nach einigen Jahren erwies sich die Werkstatt als zu klein. 2010 zog er in die Proskauer Straße, eine ganz andere Gegend als am Boxi. „Abgesehen vom Straßenlärm, ist es eher ruhig dort. Keine Touristen. Wenn ich mich abends mal vor den Laden stellte, um eine zu rauchen, kam höchstens mal ein Betrunkener vorbei. Hier bin ich wieder mitten drin.“ Seine Bücher ließ er in der Druckerei Klaus Regel beschneiden, der eine starke Schneidemaschine besaß. So lernte er auch seine jetzige Partnerin und Lebensgefährtin kennen, mit der zusammen er Druckerei und Buchbinderei vereint hat und gemeinsam führt. Als wüsste er, dass von ihm die Rede ist, kommt der alte Druckereibesitzer selbst in den Laden. Er hat eine kleine Druckmaschine mit nach Hause genommen, um in Übung zu bleiben. Er hatte die Druckerei in den 1990er Jahren übernommen. Über den ersten Drucker in dieser Werkstatt weiß Klaus Regel zu berichten: „Die Frau dieses Druckers hat das Haus gebaut und sie hat den Fußboden mit drei Balken besonders abstützen lassen, damit die schweren Maschinen hier stehen können. Der Buchdrucker, Paul Reich, hat dann später im Keller Flugblätter gegen die Nazis gedruckt.“

Was sagst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.