Buchbinder Jan Christodulow von der Druckwerkstatt Regel | Foto: Giovanni Lo Curto

Wir machen, was andere nicht hinkriegen.

Foto: Giovanni Lo Curto
/ Foto: Giovanni Lo Curto /

Mit den Augen des Künstlers

Die Neigung, Buchbinder zu werden, war bei Jan Christodulow immer schon da, schon als Kind. Aufgewachsen ist der gebürtige Friedrichshainer in Alt-Hohenschönhausen. Als die Neubaugebiete gebaut wurden, entstand auch ein riesiger Abenteuerspielplatz: Betonelemente eigneten sich hervorragend zum Klettern und Versteck spielen. Im Sommer bildeten sich in den riesigen Wasserpfützen richtige kleine Biotope. „Aber mit zwölf entdeckte ich dann wieder die Innenstadtbezirke.“ Ausgeübt hat er viele Berufe, als Maler, als Elektriker, zwischendurch als Buchbinder und dann wieder als Fahrradkurier. „Das waren alles Dinge, die ich gern gemacht habe.“ Auf seinen Touren als Fahrradkurier kam er immer wieder auch in Werkstätten. „Das gefiel mir. Irgendwann dachte ich, in so einer Werkstatt wirst du auch mal arbeiten.“ Warum wurde es nichts mit der Kunst? „Ich hab schon besser als andere verkaufen können“, erwidert der Buchbinder, „aber welcher Maler kann gut von seiner Bildern leben? In meiner damaligen Wohngemeinschaft stand ich noch an der Staffelei, wenn die ersten aufstanden, und als sie abends nach Hause kamen, stand ich wieder an der Staffelei. Dann fragten die mich allen Ernstes, warum ich nicht arbeiten gehe. Dabei habe ich täglich 12 Stunden gearbeitet.“ Allerdings hilft der an der Gestaltung geschulte Blick, auf die Wünsche von Kunden einzugehen. „Gerade im kreativen Bereich sind die Ansprüche an Studentenarbeiten enorm gestiegen. Auf Sonderwünsche kann ich da sehr gut eingehen und Tipps geben. Manche kommen auf den letzten Drücker. Einige berichten enttäuscht von Buchbindern, die überhaupt kein Verständnis für Extrawünsche haben und irgendwann genervt ihre Kunden mit dem Spruch: ‚So macht man das nicht!‘ vergraulen. Wir hingegen machen, was andere nicht hinkriegen.“ Solche besonderen Arbeiten haben ihren Preis, der von den Studenten auch gezahlt wird. „Fotografen lassen bei mir für Präsentationen aufwändige Kassetten anfertigen. Und einmal habe ich sogar ein Riesenbuch für einen Film hergestellt, aus dem ich dann die Seiten ausscheiden musste, damit es leichter wird. Das sollte ein Kind tragen.“

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