Franz Kies arbeitet an der Karl-Marx-Gedenkstätte, Quelle:: FHXB-Museum

Unscharf in Stein

Reproduktion der ersten Karl-Marx-Gedenktafel von 1929, Bild: FHXB-Museum
Reproduktion der ersten Gedenktafel von 1929, sie zeigt das idealisierte Bild der Gaststätte.
/ Bild: FHXB-Museum /

Ortsfindung

Nach Franz Mehring wohnte Marx in der Alten Leipziger Straße 1. Der Magistrat ließ deshalb 1929 am Haus Mohrenstraße 17 eine Gedenktafel anbringen: An dieser Stätte wohnte 1837/1838 Karl Marx, der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus. 1933 wurde sie entfernt. Dr. Walter, einst Bibliothekar an der Berliner Magistratsbibliothek, ermittelte im Amtlichen Verzeichnis der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, dass Marx, nachdem er am 22. Oktober 1836 an der Universität zu Berlin immatrikuliert worden war, während acht Semestern mehrmals den Wohnsitz wechselte. Unter muffigen Aktenbündeln der Registratur-Kanzlei stieß Günther Rose, Assistent an der Humboldt-Universität, auf einen Anmeldebogen mit Adressen und Briefen der Eltern an „Herrn Karl Marx stud. juris wohlgeboren in Stralow Nr. 4 bei Berlin“. Als Achtzehnjähriger kam Karl Marx zum Wintersemester 1836 nach Berlin und wohnte wegen seines „Unwohlseins“ auf „Stralow“. Marx belegte nur wenige Vorlesungen, galt dafür als fleißig und fand Anschluss an den „Doktorklub“, eine gesellige Vereinigung von Junghegelianern, die im „Roten Zimmer“ des Cafés Stehely in der Jäger- /Ecke Charlottenstraße über die „Weltphilosophie“ diskutierten.
Gedenkplanung: Der genaue Platz ist nicht wichtig.
Für den August 1956 war im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes geplant, einen Gedenkstein „an der Stelle, wo einst Karl Marx gewohnt hat“ zu errichten. Eine Experten-Kommission, die am 27. März 1956 tagte, war sich über die Adresse nicht einig. Der Großvater von Georg Riese, ein 73-jährigen Stralauer, bewirtete einst Karl Marx im Gartenrestaurant „Lindenhof“ (Alt-Stralow Nr. 4), der sich dort mit Freunden traf. Auch Post wurde hier abgegeben. Sie kam von Treptow per Fähre. Seinerzeit wohnte Marx im Hause Nr. 11 (das war 1956 die Nr. 25). Wegen der „Sichtachse“ zum sowjetischen Ehrenmahl auf Treptow regte Chefarchitekt Henselmann die Nr. 18 als Gedenkort an. Herr Kubitza vom Rat des Stadtbezirks, sah es als nicht wichtig an, „den genauen Platz zu wissen“. Man habe „eine würdige Gedenkstätte hier zu errichten. Marx hätte sich nur an wenigen Orten in Deutschland aufgehalten und seine Studienzeit in Berlin wäre die längste zusammenhängende gewesen. Auf Stralau habe er im Kreis der Junghegelianer die Grundlagen für seine philosophischen Ansichten empfangen. Berlin wird von Gästen aus den sozialistischen Ländern und von den Mitgliedern der Arbeiterparteien der kapitalistischen Länder besucht, die uns danach beurteilen, wie wir unsere revolutionäre Traditionen bewahren.“
1958 wurde die geplante Bausumme von 100.000 Mark auf 45.255 Mark gesenkt. In ehrenamtlicher Arbeit wurde 1959 das Gelände enttrümmert und 1961 eine Grünanlage mit Bänken eröffnet. Am 1. Oktober 1964, zum 15. Jahrestag der DDR, weihten Horst Klemm, Sekretär der Kreisleitung SED und der Friedrichshainer Bürgermeister Hans Höding die heute bestehende Anlage ein. Hermann Kirchmann schwor im Namen der Nationalen Front, diese Erinnerungsstätte „wie den eigenen Augapfel zu pflegen“.

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