Franz Kies arbeitet an der Karl-Marx-Gedenkstätte, Quelle:: FHXB-Museum

Unscharf in Stein

Karll Marx, Alt-Stralau Nr 18 im Jahre 1907, Bild: FHXB-Museum
Alt-Stralau
Nr 18: So sah die Fassade der Gaststätte 1907 aus. / Bild: FHXB-Museum /

Gestaltung: historisch unscharf

Der Berliner Bildhauer Franz Kies hatte für die Brigaden der Wismut die Plastik „Atomenergie für den Frieden“ entworfen, außerdem Jungarbeiterporträts für die Stalinallee, Reliefs für die Gedenkstätte Buchenwald und wurde nun Gestalter von zwei Reliefs für die „Erinnerungsstätte“ Alt-Stralau 18. Eines spielt auf die Treffen des religionskritischen „Doktorklubs“ an. Zwar war Marx dort präsent, aber Privatdozent Bruno Bauer und Lehrer Friedrich Köppen waren die Wortführer, anders als im Relief dargestellt. Das zweite Relief weist auf den Stralauer Glasarbeiterstreik von 1901 hin, der erfolglos war – ebenfalls im Gegensatz zur Darstellung. Der Vorstand des Glasarbeiterverbandes hatte den Streik abgelehnt, weil dieser keine Lohnfragen sondern politische Ziele verfolgte.

Milch und Dachpappe

Ein halbes Jahrhundert zurück: 1907 waren der „Lindenhof“ samt Grundstück verfallen. Der Baustoffhändler Hans Forsch kaufte es als Lagerplatz für Bausteine und ließ ein gutbürgerliches Wohnhaus mit Gaststätte und Laden zur Straßenfront bauen. In diesen zog ein Milchhändler ein. 1928 versuchten Glasarbeiter eine „Marx-Tafel“ am Haus anzubringen, was Forsch ablehnte. Forschs Idee, ein Bootshaus für Wassersportler bauen lassen, kippte 1931 wegen der Wirtschaftskrise. Dafür fragten 1939 die „Ruberoidwerke – Bedachung – Isolierung“, ob sie „teerfreie Dachmaterialien“ auf Forschs Gelände lagern dürften: „Weil wir zahlreiche wehrwichtige und ähnliche Aufträge auszuführen haben und das oft erforderliche Bautempo von uns verlangt, daß wir die Baustoffe schnellstens von unserem hiesigen Lager am Wasser anliefern können.“ Das Haus brannte nach einem Bombenangriff am 26. Februar 1945 völlig aus.

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