Frau Kondzieles Promenade

"Tolstoi" Heiddrun Marquart mit "ihren" Kindern Fotoquelle: MfS-ZAIG-Fo-0757-Bild-0001
„Tolstoi“ Heiddrun Marquart mit „ihren“ Kindern
Fotoquelle: MfS-ZAIG-Fo-0757-Bild-0001

Herr Schade und sein Netz

Ferdinand Schade, seit dem 27. Dezember 1960 als „GI“ „Fritz Rat“, übernahm 1964 die Leitung des Durchgangsheim Alt-Stralau. Bislang wurden 12 Erzieher-IM identifiziert.  „Fritz Rat“ warb unter anderem Heidrun Marquardt, alias „Tolstoi“ an, die sich seit dem 8. August 1966 um die Mädchenabteilung kümmerte. „Tolstoi“ hatte ein Ohr für die intimsten Geheimnisse der Mädels, insbesondere die Kontakte zu den Jungs, und schrieb alles genauestens auf.

Isolationsraum 2 Fotoquelle: Brenne Architekten
Isolationsraum 2
Fotoquelle: Brenne Architekten

„Tolstoi“ war besorgt um den Mann ihrer besten Freundin. Als der im November 1973 „rübermachen“ wollte, meldete sie das. Vom März 1975 bis zum August 1988 stellte sie ihre Wohnung dem Dienst für verdeckte Aktionen zur Verfügung, der ihre aufopferungsvolle Arbeit mit 4.322 Mark entlohnte.
Karl Heinz Fabich, alias „Stralau“, war privat wie als Erzieher sehr hellhörig. Allein seine Berichte über die Jugendlichen im Durchgangsheim Alt-Stralau füllen hunderte Aktenseiten. Sie erzählen von Menschen in der Pubertät. Von ihren Sehnsüchten nach individueller Freiheit in Kleidung und Beziehungen, der Freiheit ihrer Gedanken, von der Anwerbung 12-jähriger Kinder. Über ein Dutzend Jugendlicher wurde über diese Berichte zur MfS-Arbeit erpresst.  „Stralau“ liebte den Alkohol. Nach Auskunft der VP konnte er ab Mitte 1986 weder arbeiten noch „selbstständig“ leben.
Andere Schwerpunkte suchte Heimleiter Schade. Den Mädchen galt er als „geiler Bock“. Er stand in den Duschräumen, war bei den Eingangsuntersuchungen dabei. Jedes Mädchen wurde gynäkologisch untersucht, notfalls mit Gewalt, ob nun 7 Jahre alt oder 13 Jahre und brutal vom Vater vergewaltigt.
„Fritz Rat“ wählte aus, wer in seine Wohnung Karl-Marx-Allee 133 durfte. Nicht für sich, sondern für seine Gäste aus Westberlin. Weil Schades Diebstähle von Heimeigentum, Unterschlagungen von Betriebsspenden auffällig wurden, ermittelte 1969 das MfS gegen ihn und er wurde 1972 weggelobt, um sich danach im MfS-Innendienst verdient zu machen.

6 Gedanken zu „Frau Kondzieles Promenade“

  1. Guten Tag,
    Auch ich war in dieser Einrichtung,zweimal sogar!
    An meinem 18.Geburtstag (23.12.1983) begann ich DIESEN GENAU dort zu feiern, naja
    Man musste mich an diesem Tag auch entlassen, ich war volljåhrig!
    Ich persõnlich hatte dort so doof ich das auch fand, ein Dach ūbern Kopf, ein Bett und was zu Essen!
    Etwas, was meine Eltern nicht hin bekamen!
    Also war ich ab diesem Tag wieder obdachlos, man konnte und durfte mich ja nicht mehr einfangen!
    Ich kam dort rein, WEIL ich Jahre auf der Strasse lebte, das war bei minderjährigen im Osten nicht erlaubt!
    Es war nicht alles schlecht!
    Und manchmal ist es im eigenen Elternhaus schlimmer

    1. Ich war 1987 ( mit 17 Jahren ) dort. Man musste stramm stehen, wenn die Stahltür aufging und sagen: „Isolierraum 3 besetzt mit ( Name). Besondere Vorkommnisse keine.“ Ich werde es nieee vergessen!!! In die Zelle habe ich noch eine kleine Matratze bekommen und einen Eimer für menschliche Bedürfnisse. Das Essen habe ich 3 Tage lang nicht angerührt. Mein Magen war nicht in der Lage etwas zu sich zu nehmen, da ich NICHT !!! wirklich wusste, warum ich dort gelandet bin. Ich war vorher in einem Mädchenheim in Buchholz und habe mit 17 Jahren meine erste Liebe kennen gelernt. Daher bin ich ab und an mal Nachts weggeblieben um bei ihm zu sein. ( war natürlich nicht erlaubt – aber mal ehrlich – ich war bereits 17 Jahre und konnte ja schlecht meine Eltern m Erlaubnis fragen…) Nach 4 Tagen Bunker durfte ich dann laut damaliger Ärztin nach oben zu den anderen Heimkindern. Natürlich waren auch dort alle Türen verschlossen – aber immer noch besser als in der kleinen Zelle. Meine zugeteilte Arbeit war das Bloggern ( Blogger – eine Art Bohnerbesen). Wenn ich fertig war durfte ich in einem Raum mir den Schwarzen Kanal anschauen. Zum Duschen und Zähneputzen mussten wir uns immer in Reihe aufstellen, damit jedem entsprechend Zahnpasta auf unsere Zahnbürsten gegeben werden konnte. ( aber immer noch besser als unten im Isoraum, denn dort gab es ausserhalb der Zelle eine kleine Wand mit Waschbecken und Toilette und die Wärter haben einem zugeschaut … ) Beim Essen ( im Essenraum) durfte natürlich nicht gesprochen werden werden und wenn jemand beim Trinken den Ellenbogen abgespreitzt hat, musste die gesamte Gruppe zurück auf Ihr Zimmer ohne Essen und Trinken… Auf dem Dach von Alt-Stralau gab es eine Stunde Hofgang. Natürlich war ringsherum Stacheldraht, damit niemand fliehen konnte… Ich habe heute noch extrem damit zu kämpfen – werde diese Zeit wohl nie verarbeiten…:-(

      1. Es war 1977 in den Sommerferien als ich von Polizei u.Jugendhilfe nach Alt Stralau gebracht wurde.Man hatte mich einfach vom Spielplatz geholt….meinen Eltern unterstellte man eine asoziale Lebensführung…..das Schlimmste für mich waren die Gitter vor Fenster und Türen.Ich war in der Mädchen Kindergruppe.Es gab auch für Jugendliche Mädchen eine extra Gruppe.Wir haben eine Flucht geplant…mir und einer Jugendlichen ist es gelungen abzuhauen.Wir waren fast täglich auf dem Hof…es wurde immer abgezählt….danach bin ich auf ein erreichbares Dach geklettert und konnte im Hof eines benachbarten Altersheim wieder runter.Da Stralau eine Halbinsel ist,musste ich am Heim vorbei rennen…..ich rannte um mein Leben…naja lange war ich nicht frei….aber Ich dachte,schlimmer kann es nicht mehr werden….dann wurde ich früh geweckt…..Transport ins Kinderheim….mit Halt im Durchgangsheim Dresden.. ..das war noch viel schlimmer als Alt Stralau,viel schlimmer…..Ich denke oft an diese Zeiten weil diese verdammen Gitter und alles insgesamt,krank gemacht haben.Ich fühlte mich ausgeliefert und furchtbar alleine…….

  2. Hallo mein Name ist Wolfram und ich war 1979 in Alt Stralau genauer von Feb bis Juni und dann bin ich in Jugendwerkhof nach Rühn gekommen. Ab den Tag an als ich in D-Heim kam habe ich alles verloren nicht nur meine Kindheit, die habe Dich nicht nur mit Sport und das Gefühl du bist nix kaputt gemacht.

  3. Ich war auch in alt Stralau Anfang der 60er Jahre. Und suche seid den ganzen Jahren meine erste Liebe den Tim der zur gleiche Zeit da war. Freue mich riesig diese Seite entdeckt zu haben obwohl es mich auch traurig macht. Grüsse von Ute

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