Historische Öllampen | Quelle: Katalogansicht zur Londoner Weltausstellung 1855

Hell im Lichte?

Reklame Wolf Werkstätten | Quelle: Wandreklame
Ein großer Teil von Werkstätten, die für die Beleuchtungsindustrie arbeiteten waren in Friedrichshain oder in Kreuzberg angesiedelt / Quelle: Wandreklame /

Schickes im Zimmer

1870 war Petroleum eher selten in Berlin, dennoch spezialisierte sich der Lampenhersteller Wild & Wessel auf die Produktion von Petroleumlampen, die im Lauf der 1870er-Jahre einen reißenden Absatz fanden und damit Kienspäne und selbst gezogene Kerzen aus den Wohnungen verbannten. In den 1880er Jahren war in öffentlichen Räumen das Leuchtgas der Favorit, im Privaten aber die reich verzierten und raffiniert konstruierten Petroleumlampen. Mit einer Erfindung des Gasglühlichtes veränderte sich die Gewichtung. Der von Carl Auer entwickelte und von der heißen Gasflamme bis zur Weißglut getriebene Auerstrumpf, ein von einer Thorium- und Ceroxid-Lösung durchtränktes Baumwollnetz, leuchtete heller und verbrauchte weniger Gas als die mit gefährlich offener Flamme arbeitenden bisherigen Brenner. 1892 bezog die Deutsche Gasglühgesellschaft-Aktiengesellschaft, später Osram, ihren Stammsitz an der Warschauer Straße. Neue Gaswerke gingen in den Betrieb, und 1905 wurde mit den Münzgaszählern das Leuchtgas für viele Friedrichshainer erschwinglich. Zu teuer dennoch für die meisten Bewohner der Straßen um den Ostbahnhof. Für sie bot Lampenbauer Stobwasser eine mit einem Glühstrumpf versehene Lampe an, die – vom billigsten Petroleum befeuert – gegenüber ähnlichen Leuchten ein besseres Licht bot.

Visionär

„Nicht vom Licht der Öllampe, sondern vom elektrischen Licht, dem besten, was wir besitzen, haben wir auszugehen. Das neue Licht bedingt eine neue Form seines Trägers. Aluminium bietet umfassende Möglichkeiten, auch Ebonit und Galalit können angewandt werden“, sagte im Jahre 1927 die Bauhausdesignerin Marianne Brandt. So zukunftsorientiert wie sie war das Berliner Stromnetz in dieser Zeit noch nicht. Mitte der 1890er-Jahre war die Elektrizität das neue Medium, das Motoren für Fahrstühle, Drehbänke und viele andere Maschinen im Friedrichshainer Industriegebiet nahe der Spree antrieb. Für die Beleuchtung wurde die Elektrizität erst mit der Erfindung der Kohlefadenglühbirnen bedeutend. Produziert bei Osram an der Warschauer Straße, zogen die Glühbirnen in Büros und Geschäfte ein. Aber der Erste Weltkrieg und die Inflation verhinderten den massiven Ausbau des Stromnetzes. Um das bestehende Chaos von über 5.000 völlig unterschiedlichen Glühbirnen im Angebot zu beenden, kam es 1927 zur Einteilung von 15-, 25-, 40-, 60- und 100-Watt- Glühbirnen in Glockenform. Der Strompreis fiel von 40 auf 16 Pfennige je Kilowattstunde. Die Einkommen bewegten sich zwischen 394 bis 580 Mark. Für die meisten Friedrichshainer gehörte das Leuchtgas per Münzzähler deshalb weiter zum rauen Alltag, den manche mit einigen Groschen für immer beendeten. Der Selbstmord per Leuchtgas war im Friedrichshain der 1920er-Jahre nicht selten. Eine von der NS-Regierung 1934 initiierte „Elektrooffensive“ verebbte 1938 wegen der Aufrüstung. Immerhin waren nun alle Friedrichshainer Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Eine gesamtberliner Elektrifizierung war erst nach Kriegsende möglich.

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