1994: Die Oberbaumbrücke versteckt sich hinter Baugerüsten. Drei Jahre später waren auch die Türme wieder drauf. / Foto: Slivio Weiß /

Hin und her ohne Grenzen

1992: Demo für die Oberbaumbrücke, die kurz danach besetzt wurde. / Quelle: Flugblatt, FHXB-Museum /
1992: Demo für die Oberbaumbrücke, die kurz danach besetzt wurde.
/ Quelle: Flugblatt, FHXB-Museum /

Irgendwo protestiert immer jemand gegen irgendwas

Auf 60.000 Autos pro Tag mit einem Geräuschpegel auf bis zu 80 Dezibel schätzte Peter Kling von der Bürgerinitiative „Stoppt die Blechlawine“ das künftige Verkehrsaufkommen im Bereich der Oberbaumbrücke. An der Schlesischen Straße, die sich von einer mauerbedingten Sackgasse zur Hauptachse zwischen Treptow und Mitte wandelte, hatte er 1.200 Fahrzeugen pro Stunde gezählt. Zehn Prozent aller Lungenkrebserkrankungen in Innenstadtbezirken gingen laut einer Studie vom Dezember 1991 auf den Kfz-Verkehr zurück. Flugblätter gegen den Ausbau der Brücke wurden verteilt. Kommentar des Referenten vom Bausenator: „Irgendwo protestiert immer jemand gegen irgendwas“.
Im März 1992 wehrten sich unter dem Motto: „Die Straßen zum Lebensraum zurückerobern“ Anwohner im Verbund mit Initiativen per Bürgerbegehren, Aktionstag und einer Verkehrsblockade gegen die Verkehrsplanung an der Oberbaumbrücke. Der Friedrichshainer Bürgermeister Helios Mendiburu trat für einen Volksentscheid gegen diese Pläne ein. 6.500 Unterschriften konnten gesammelt werden für ein Bürgerbegehren gegen die Öffnung der Oberbaumbrücke für Autos. Zur Unterstützung standen etwa tausend Demonstranten am 10. Mai auf der Oberbaumbrücke. Gleichzeitig wurde eine 18 Kilometer lange Menschenkette gebildet, um den Autoverkehr auf dem innerstädtischen Straßenring für fünf Minuten stillzulegen.

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