In Stralau sollte das Olympische Dorf enstehen,, Foto: Silvio Weiß

Betongold statt Olympia-Medaillen

Für teures Geld wird in Alt-Stralau Freie Sicht gewährt, Quelle:FHXB-Museum
Für teures Geld wird Freie Sicht gewährt
/ Quelle: FHXB-Museum /

Ein anderes gutes Geschäft

Fünf Büros definierten für das „Dorf Stralau“ eine „städtische Landschaft“ mit der Wasserlage als zentrales Merkmal. Betont von einem durchgängigen Uferweg als Ausdruck landschaftlicher Offenheit, sollten wegen der „urbanen Dichte“ neun separate Quartiere angeschlossen werden. Für ein „Autoarmes Wohnen“ wurden Fuß- und Fahrradwege in alle Himmelsrichtungen angedacht. Bus und Straßenbahn sollten den Individualverkehr ersetzen.
Im Auftrag der „Concordia Bau und Boden“ und unter der Leitung von Hermann Hertzberger startete im Herbst 1995 das erste Bauprojekt. Geplant war, 80 % der Baukosten vom Senat über die Wohnbauförderung zu finanzieren. 1994 fiel dieser Anteil aus Geldmangel auf 30 %. Entsprechend entfielen die sozialen Auflagen. Investoren wurden wach bei 450.000  Mark für 70 m² im Eigentum. Kreditbanken sahen ein gutes Geschäft.

Wohnen am Wasser

1997 war die Haushaltslage des Landes sehr angespannt und ein Jahr später wurde über einen kompletten Ausstieg aus der „Wasserstadt“, wie das Entwicklungsprojekt Stralau jetzt hieß, nachgedacht. Landeseigene Liegenschaften kostengünstig den Investoren zu überlassen, war seinerzeit kein Thema.
Die „Wasserstadt Stralau“ sollte eine Etappe zur „Deckung eines erhöhten Bedarfs an Wohn- und Arbeitsstätten“ bleiben. Aber die Risiken, das Gelände vollständig baulich zu entwickeln, waren viel zu hoch. Das Entwicklungsprojekt Stralau endete 2006.
Die Kosten für Deindustrialisierung und Wohnerschließung von Stralau beliefen sich auf  weit über 100 Millionen Euro. Als Verlust wurde diese Summe nicht angesehen, sondern als Investition in die Zukunft. Die Tür zum sich über den Markt steuernden „Wohnen am Wasser“ war damit geöffnet.

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