Sebastian Maetzel | Foto: Giovanni Lo Curto

Wer nicht fragt, bekommt nichts

Sebastian Maetzel vom Callcenter dialog4good in der Boxhagener Straße, Berlin | Foto: Giovanni Lo Curto
„Telefon-Fundraising ist die Königsdisziplin des Fundraisings. Das ist fast wie ein persönliches Gespräch.“ / Fotos: Giovanni Lo Curto /

Zu Besuch im Callcenter dialog4good.

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Sie kennen das. Das Telefon klingelt, doch anstelle einer vertrauten Stimme hören Sie jemanden aus einem Callcenter, die oder der Ihnen ‚einen Knopf an die Backe quatscht‘. „Störenfried!“ und „Bettelanruf!“ sind die harmlosesten Begriffe, die in Augenblicken fallen, wenn die Anrufe ungelegen kommen. Was sind das für Leute, die andere Menschen von ihrem Tun ablenken und mit ihnen ein Geschäft abschließen wollen, so fragen Sie vielleicht – und ich habe es mich auch gefragt.
Ich bin mit Sebastian Maetzel in der Boxhagener Straße in einem Neubau der 1990er- Jahre verabredet, wo das Callcenter untergebracht ist. Die Büros sind überraschend hell und zweckmäßig eingerichtet. Herr Maetzel ist ein freundlicher Mann von mittlerer Statur, der seine Worte langsam und wohlüberlegt setzt. Er arbeitet als Geschäftsführer und Gesellschafter der dialog4good GmbH, die im Auftrag von Kunden Werbeanrufe vornimmt. Zunächst eine Aussage, die überrascht: „Wir arbeiten nur mit Kunden, deren Ziele wir vertreten können.“
Das kann man sich aussuchen? Man kann. Die dialog- 4good GmbH akquiriert Spenden für gemeinnützige Organisationen. Unser Zeitzeiger zum Beispiel käme als Kunde gar nicht infrage. Es sind viele Hilfsorganisationen, für die das Unternehmen arbeitet, darunter so bekannte wie Deutsche Krebshilfe, Amnesty International, WWF, Brot für die Welt, NABU und so weiter. Alle tun Gutes, jeder weiß es. Aber das Geld, das sie für ihre Arbeit benötigen, fällt nicht vom Himmel.
„Der Staat unterstützt natürlich auch solche Organisationen“, erklärt der Unternehmensgründer. Aber er verlangt für seine Zuschüsse auch einen Eigenanteil, den sie selbst erbringen müssen und den erbringen wir. Und wer nicht fragt, bekommt nichts.“
Es hat übrigens auch schon Fälle gegeben, in denen man sich von Kunden getrennt hat. „Einmal stellte sich heraus, dass ein Verband für Ziele eintrat, die wir missbilligen. Da haben wir freundlich um Beendigung des Geschäftsverhältnisses gebeten, obwohl deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an sich ganz nett waren.“

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