Sebastian Maetzel | Foto: Giovanni Lo Curto

Wer nicht fragt, bekommt nichts

Sebastian Maetzel vom Callcenter dialog4good in der Boxhagener Straße, Berlin | Foto: Giovanni Lo Curto
Bei Zoom-Konferenzen blickt dem Chef ein Karneval-Clown aus der Kölner Heimat über die Schulter.

Ethische Grundsätze

Fundraising hat immer noch einen schlechten Ruf, deshalb bin ich überrascht, als ich höre, dass es den Deutschen Fundraising-Verband gibt, einen Fachverband, dessen ethischen Grundsätze auf der Internetseite zu lesen sind: Jeder Druck, selbst jeder Anschein eines Druckes auf Entscheidungen wird missbilligt, ebenso die Vergütung hauptsächlich nach Spendenerfolg.
„Wir respektieren Menschen, die ‚Nein!‘ sagen und die nicht wieder angerufen werden wollen.“ Das wird den Kunden des Centers auch mitgeteilt, wenn diese Leute in Ruhe gelassen werden wollen. „Wir zahlen über dem Mindestlohn“, setzt der Geschäftsführer hinzu. Allerdings sind für diese Arbeit nicht alle geeignet. Wer Probleme damit hat, um Spenden zu bitten, wird keinen Erfolg haben. Ebenso muss man die Regeln der Höflichkeit beherrschen und auch auf harsche Worte angemessen und verantwortungsvoll reagieren. Ich denke an meinen vor Jahrzehnten verstorbenen Großvater, der als Rentner immer davon sprach, gern eine Vertrauensstellung einzunehmen: „Ich würde das auch nicht missbrauchen!“
Ob das Callcenter eine richtige Aufgabe gewesen wäre? „In der Tat“, wirft der Geschäftsführer ein. „Ich arbeite gern mit Rentnern zusammen, gerade aus dem Ostteil der Stadt. Sie verfügen über eine Lebenserfahrung, die den Werbegesprächen deutlich zu vernehmen ist.“ Wenn es um Spenden für die Krebshilfe geht, dann verlaufen Gespräche älterer Menschen untereinander ganz anders als zwischen Jüngeren und Älteren. Für alle älteren Menschen sind Krankheiten Teil ihrer Lebenswirklichkeit. Sie kennen sich darin aus. „Es geht darum, ein Gespräch zu führen“, erläutert Sebastian Maetzel. „Wir vermitteln Dankbarkeit. Empathie und Respekt sind der richtige Umgang. Wir sind ehrlich und sagen offen: ‚Wir sind ein Callcenter. Wir sind nicht der WWF.“
dialog4good hat 50 Beschäftigte. „Jetzt, wo sich ein Ende der Pandemie abzeichnet, könnten wir sogar noch Unterstützung gebrauchen“, sagt der Geschäftsführer. „Das Betriebsklima ist gut. Wir haben langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wer Interesse hat, kann sich bei uns bewerben.“ Fundraising ist also kein Geschäft für Drückerkolonnen, wenn es richtig gemacht wird. Schließlich bittet auch der Zeitzeiger seine Werbekunden immer wieder um weitere Unterstützung. Da sind wir uns direkt ähnlich.

www.dialog4good.de

 

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