Tanz unter freiem Himmel: Das Deutschlandtreffen | Quelle: Bundesarchiv_Bild_183_CO517-0010-005

Wo der Teufel wohnt

Tanz unter freiem Himmel: Das Deutschlandtreffen | Quelle: Bundesarchiv_Bild_183_CO517-0010-005
Deutschlandtreffen waren Anlässe, im Freien zu tanzen.
/ Quelle: Bundesarchiv_Bild_183_CO517-0010-005 /

Freundschaft und mehr

Berufskapellen der fünfziger Jahre waren Lieferanten des angenehmen Klangs. Sie spielten anlässlich von Betriebsfesten, Gewerkschaftsveranstaltungen und Jugendverbandstreffen. Zum Missfallen diverser Jugendlicher, war seit dem 2. Januar 1958, die gültige Formel bei Unterhaltungs- und Tanzmusiktiteln, das Verhältnis 60 % „ost“ zu 40 % „west.“ Findige Bastler praktizierten daraufhin elektrische Tonabnehmer in akustische Gitarren und nutzten leistungsstarke Verstärkerröhren aus russischen Panzern zur Wiedergabe der Gitarrenklänge. Ob The Hot Five, The Cants, The Shouters, sie alle spielten im Jugendclub Freundschaft in der Fredersdorfer Straße und allenfalls in der Proportion von 30 % (ost) zu 70 % (west). Im allgemeinen jedoch zu 100 % west, die Titel der Rolling Stones, der Beatles, der Troggs, deren Song „Wild Thing“ („You make my heart sing“) die Funktionäre der FDJ auf den Plan rief. „Jugendliche werden aktiv, wenn Bands spielen“, wurde berichtet. „Trotz laufender Kontrollen liegt der Alkoholkonsum ungewöhnlich hoch“, „Der Jugendclub Freundschaft zieht nicht die leistungsbereiten Jugendlichen an“, so ein Befund der Kulturverwaltung. Ordnungsgruppen der FDJ versuchten im Oktober 1965, dem „Gammlerunwesen“ in der Fredersdorfer Straße Herr zu werden. Mitunter verlief die „ideologische Auseinandersetzung handgreiflich“, ging an die SED-Kreisleitung.

Gerd Liesegang und seine Musiker | Quelle: Alex-Spiegel 1962
Gerd Liesegang war mit seinen Musikern über Jahre ein Name für zwingende Klänge in der Hauptstadt. / Quelle: Alex-Spiegel 1962 /
Jugendliche bei beim Tanzen | Quelle: PolHist
Wildes ungezügeltes Tanzen abseits der Tanzschule. / Quelle: PolHist /
Tanzveranstaltung | Quelle: Privat
Tanzen an düsteren Orten ist beliebt, war aber oft nicht gern gesehen. / Quelle: Privat /

Warehouse

Von einer „verschlossenen, sexgetriebenen Welt im coolsten Techno-Club“ wird gesprochen, wenn vom „Berghain Am Wriezener Bahnhof“ die Rede ist. Eröffnet wurde der Club am 18. Dezember 2004, mit ihm verfällt die gelebte wie bekämpfte Subversivität der Tanzböden in die völlige Kapitalisierung.

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