Widerstandskämpfer Willi Schwarz | Quelle: Wahlbroschüre

Vereint und getrennt

Demonstration des SPD Kreisverbandes Friedrichshain| Quelle: Postkarte
Der SPD Kreisverband Friedrichshain geht zur Demonstration. / Quelle: Postkarte /

Zäsur

Willi wurde im Februar 1933 als Jugendpfleger entlassen. Karl König führte mit Heinrich Spliedt eine Handelsfirma, die Werbebroschüren und insgeheim die Propagandazeitung „Der rote Stoßtrupp“ druckte. In der Nummer vom 7. Mai 1933 wurde aufgerufen: „Schafft eine proletarische Elite, die später die Führung einer sozialistischen Massenbewegung übernehmen kann! Überlasst keinen brauchbaren Genossen der Verzweiflung! Holt ihn heran, zur Vorbereitung neuen Kampfes! Unseres Kampfes für eine wirkliche Einheitsfront!“ Der Kreis wuchs. Heimlich versandte Kurt Megelin, ein Verwaltungsangestellter im Büro des Bürgermeisters vom Bezirk Prenzlauer Berg, diese Blätter an alle Interessierten. Als Kurier war Schwarz in ganz Deutschland unterwegs. Am 3. Oktober 1933 erlitt er einen schweren Motorradunfall, bei dem seine Frau starb. Der Gestapo fielen am 28. November 1933 Artikel des Roten Stoßtrupps, verschlüsselte Mitgliederlisten und die Korrespondenz mit anderen Widerstandsgruppen im Rahmen einer Durchsuchung in die Hände und ein Motorboot, das Karl Zinn gehörte, der das Material transportierte. Unter Folterungen im SA-Gefängnis General-Pape-Straße versuchte Zinn, sich als Alleintäter darzustellen. Vergeblich. Am 2. Dezember 1933 wurde auch Schwarz verhaftet und am 27. August 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Karl König ging für drei Jahre ins Gefängnis, Heinrich Spliedt für eineinhalb Jahre. 27 Ausgaben des Roten Stoßtrupps mit einer Auflage von bis zu 1.500 Exemplaren erschienen vom April 1933 bis Ende 1933. Die Gruppe umfasste deutschlandweit fast 500 Personen.

Eingekerkert

Am 27. Januar 1937 kam Schwarz frei. Über Kurt Megelin, der die Gruppe weiterführte, suchte er nach unbelasteten Mitkämpfern der Gruppe. Megelin stand in Verbindung zu einem Gestapomitarbeiter, der belastende Akten verschwinden ließ. Dennoch ging Schwarz dem am Boxhagener Platz wohnenden Spitzel Hans Kurz auf den Leim. Unter dem Vorwurf „Betätigung im marxistischen Sinne“ kam Schwarz daraufhin ins KZ Sachsenhausen. Im April 1945 gelang ihm ein Fluchtversuch.

Auftakt

Die erste Friedrichshainer Bezirksverordnetenversammlung vom 8. Dezember 1946 endete im Eklat. Die SED-Fraktion enthielt sich der Stimme zur Wahl des Bezirksbürgermeisters Erich Lange (SPD). Auch Schwarz, jetzt SED-Genosse, wurde als Dezernent für Personalfragen und allgemeine Verwaltung abgelehnt. Edith Kappe (SPD) aus der Gürtelstraße 13 lehnte die Vereinigung von KPD und SPD ab und sagte: „Die Kommunisten hatten in ihren Reihen viele Schläger und Proleten, die uns abstießen.“ Schwarz hielt mit einem Zitat des NS-Staatsanwalts Dr. Wyermann aus dem Jahr 1934 dagegen: „Der Rote Stoßtrupp verfolgte nach dem Inhalt fast aller Nummern die Tendenz, die früheren Anhänger der SPD und KPD zusammenzufassen und eine Einheitsfront gegenüber dem Faschismus zu bilden.“

Kritische Distanz

1950 wurde Schwarz ein Abteilungsleiter für Parteifinanzen bei der SED-Bezirksleitung. 1952 stieg er zum Kaderleiter im Ministerium für Finanzen auf. Wegen angeblichen „Versagens in politischer Hinsicht“ verlor er 1953 diese Position und wurde auf den Posten der Berliner Volkssolidarität abgeschoben. Seit 1948 überwachte die 1947 gegründete Kripo-Abteilung K5, die gegründet worden war, um NS-Verbrecher aufzuspüren, ehemalige SPDMitglieder. 1950 übernahm das MfS diese Aufgabe. Als Arbeiterveteran zur Einheit von KPD und SPD befragt und zitiert, blieb Schwarz für die SED wichtig. Oft eingeladen, wie zum Beispiel zu den Appellen der Grenzbrigade 13. August, wirkte er von den Folgen eines Schlaganfalls geplagt, dennoch stark und ungebeugt. Die seelischen Folgen der Gefängnis- und KZ-Haft und des Todesmarsches an die Ostsee Ende April 1945, von dem er flüchten konnte, belasteten ihn sehr. Nur, er schwieg darüber. Was er über die Zwangsvereinigung von KPD und SPD dachte oder über die Verfolgung von ehemaligen SPD-Genossen in der DDR wusste, das verschwieg er ebenfalls. Bis zu seinem Tod am 27. März 1976 lebte Willi Schwarz in Friedrichshain.

Was sagst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.