Barrikade 1848 - Gemälde von F. G. Nordmann | Quelle: Wikimedia Commons 4.0

Handwerker ohne goldenen Boden

Einst Markusstraße, heute Osttangente | Foto: D. Krenz
Einst Markusstraße, heute Osttangente mit breitem Mittelstreifen, einem Vorhalt für eine geplante Tunnelstrecke, die unter den Strausberger Platz hindurch geführt werden sollte. / Foto: D. Krenz /

Ruhige Gegend mit Fehlern

1876 war die Markusstraße eine mit noch freiem Bauland und wenig Verkehr. Bauherr Hugo Hermes ließ an der Markusstraße 27 bis 29 „vollständig gut ausgebaute Wohnhäuser“ um eine Privatstraße errichten. Die war als Hof hinter einem Vorderhaus geplant. Jedoch ging Hermes das Geld aus und die Fläche blieb frei. Frei für die Vorboten einer neuen Phase der Markusstraße, der Magistrat sah hier den Bau einer höheren Mädchenschule neben einer Markthalle vor. Die Anregung für diese Planung kam vom Berliner Ostclub. Regionalpolitiker, Unternehmer, und vermögende Privatpersonen versuchten über den Ostclub Einfluss auf die Stadt- und soziale Entwicklung im Areal um den Ostbahnhof zu nehmen. Das Gesellschaftshaus des Ostclubs lag an der Markusstraße 45 / 46. Ein Resultat aus den frühen Tagen der Markusstraße war, dass ein Flügel der Nummer 46 in die sehr enge Straße ragte, wo ein Stellmacher seine Werkstatt hatte. Ein weiteres Resultat war, das ein neben der Straße führender und sehr schmaler off ener Abfl usskanal schnell volllief. Dass „bei mäßigem Regen der Fahrdamm in seiner ganzen Breite überflossen wird“, beobachteten die Clubmitglieder: „Das Wasser läuft über die Bürgersteige in die Keller der niedrig gelegenen Grundstücke der angrenzenden Straßen.“ Der Ostclub verfasste eine Petition zur Änderung des Misstandes, mit dem Erfolg, dass ein Hauptkanal des V. Radialsystems, einer der breitesten und tiefsten des neuen Abwassersystems, unter der Markusstraße verlaufen sollte. Ein hoher Kapitalaufwand war für diesen Bau nötig. Die Stadtverwaltung hatte über ein Dutzend Grundstücke aufzukaufen. Davon betroff en war der Fabrikbesitzer Spazier. Er hatte sein Mühlenwerk, das an der Holzmarktstraße 20 stand, an die Herren Rosenberg und Loewe verpachtet. Die Mühle war jedoch veraltet und so ging am 8. Juni 1876 in die Versteigerung, was an technischem Gerät noch brauchbar war. Das
war der Start für den Umbau der Markusstraße. Mit dem Abriss der Mühle und des Ostclubgesellschaftshauses wurde der Weg frei für einen Durchgangsverkehr zum Ostbahnhof und zur Holzmarktstraße.

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