Oliver Drudowsky von der Friedrichshainer Feuerwache | Foto: Foto: Giovanni Lo Curto

„Man weiß nie, was einen erwartet.“

Umkleide der Friedrichshainer Feuerwache | Foto: Giovanni Lo Curto
Mangels Platz als Umkleide genutzt: ein unbekannter historischer, repräsentativer Veranstaltungssaal mit Kronleuchtern, Parkett, Bühne und Kinoeinrichtung für 200 Personen. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Gefährliche Sparpolitik

Mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi machte die Feuerwehr im April mit brennenden Tonnen durch die Aktion „Berlin brennt!“ vor dem Roten Rathaus auf ihre prekäre Situation aufmerksam. „Das war kein Streik“, präzisiert Herr Drudowsky. „Wir sind Beamte.“ Wie sehr die Ausstattung im Argen liegt, davon können wir uns bei unserem Rundgang überzeugen. Überall dominiert ein uralter, einst wohl beiger Ölfarbanstrich, der die Räum dunkel macht. Immer wieder stößt man auf das typische Linoleum mit Parkettmuster, das seit den 1970er Jahren in DDR-Instituten, Schulen, Werkstätten und dergleichen auslag. Wir passieren innerhalb weniger Schritte Ausstattungen aus den 1950er, 1980er und 1990er Jahren. Hierzu gehören die Toiletteneinrichtungen. Das Mobiliar besteht zum Teil aus abgestoßenen Schränken, bei denen unter dem abgeplatzten Furnier die Spanfaserplatten hervorlugen. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit. In den 2000er Jahren hätte man eine solche Einrichtung vielleicht noch als Jugendclub oder Studentenbude durchgehen lassen. Wir sind im Jahr 2018. Die Nachlässigkeit, mit der Berliner Behörden top ausgebildete Spezialisten behandeln, von deren Motivation und Professionalität Leben abhängt, ist ein gewaltiges und vor allem vermeidbares Risiko. Grotesk ist, dass das Gebäude, die Räumlichkeiten, selbst die Klotüren unter Denkmalschutz stehen, jedoch keine Mittel aufgebracht werden, um sie entsprechend aufarbeiten zu lassen. Bei der Technik setzt sich das Problem fort. In der Garage erläutert Herr Drudowsky: „Dieser Löschzug ist von 2008. Er rückt in 24 Stunden sieben Mal aus und fährt monatlich 3000 Kilometer. Als Unternehmer würde ich ihn nach zehn Jahren abschreiben. Von uns wird jedoch erwartet, dass wir ihn noch zwanzig Jahre lang fahren.“ Im Notfallset befinden sich eine hydraulische Schere zum Aufschneiden von Unfallautos und eine schwere Benzin-Motorsäge. Andere arbeiten längst mit handlichem batteriebetriebenem Werkzeug.
Was wünscht sich die Berliner Feuerwehr von den Berlinern? „Sie wünscht sich einen sorgsameren Umgang mit der Feuerwehr. Wir sind kein Dienstleister für allerlei Probleme, die auch anderswo geklärt werden können, sondern eine Notruf-Einrichtung. Manche rufen uns irgendwohin und bleiben nicht am Ort, so dass wir den gemeldeten leblosen Menschen ewig suchen müssen.“

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