Jutta Langer | Foto: Giovanni Lo Curto

Ich kannte alle Tanzlokale in der Gegend

Jutta Langer und ihre Kinderkrippe | Foto: Privat
Bei einem Sportfest in der Kinderkrippe in der Kreuzigerstraße. / Foto: Privat /

Alleinerziehend

Ihr erstes Quartier in Friedrichshain hatte sie in der Seumestraße, wo sie die Eltern einer Freundin aufnahmen, die in den Westen gegangen war. „Sie waren sehr freundlich zu mir und forderten mich auf, in ihr Zimmer zu ziehen.“ Doch dies hielt nicht lange an. „Eines Tages komme ich nach Hause, alles merkwürdig still. Keiner da, die Schränke leer. Da wusste ich, dass auch sie in den Westen gegangen waren. Im Küche lag ein großer Zettel: „Liebe Jutta, ich hoffe, Du verstehst unseren Schritt …’ Die Wohnung durfte ich natürlich nicht behalten. Gerade einmal ein Klappbett konnte ich aus dem Mobiliar der Wohnung behalten. Das musste ich aber auch bezahlen. Dafür bekam ich dann eine Wohnung in der Krossener Straße zugewiesen.“ Vier Treppen, Hinterhaus. „Es war nicht einfach. Ich musste das Kind hochschleppen, ins Bett bringen, dann den Kinderwagen hoch.“ Hat sie denn ihr Mann nicht unterstützt? „Optisch war ich eine ganz Flotte, schlank, mit schöner Taille und mit schwarzem Pferdeschwanz.“ Dann fügt sie hinzu: „Eine Nonne bin ich nicht“, und lacht dabei. Aber es ging schief mit diesem Mann. Besonders schwierig wurde es mit der Arbeit. Drei Monate nach der Geburt war der Mutterschutz beendet. Ihre Tochter gab sie in der Krippe, in der sie arbeitete, unten ab und oben wartete eine Gruppe mit 25 kleinen Kindern im Alter von einem bis drei Jahren auf sie. Diese hatte sie zu betreuen: Pflege, Windeln, Füttern, Geh-, Sprech- und Singerziehung. Das eine Wohnzimmer, das sie mit ihrer Tochter bewohnte, hatte Frau Langer längst geteilt: ein Fenster für sie, das andere für das Kind. Besser wurde es, als sie von einer Kollegin in eine Einrichtung in der Kreuziger Straße geholt wurde. „Der VEB Messelektronk Ostkreuz hatte dort eine eigene Betriebskrippe mit einem schönem Garten, der gleich an die Grünfläche des Friedhofs angrenzte. Dort arbeitete ich zwanzig Jahre lang. Ich glaube, das war meine schönste Zeit.“ Später arbeitete sie noch in anderen Einrichtungen. In Rente ist sie mit 58 Jahren gegangen, mit einer sehr großzügig bemessenen Abfindung. „Aber mir fehlten die Kinder und mir fehlten auch die jungen Eltern. Ein bisschen fiel ich zuerst in ein tiefes Loch.“

Jutta Langer und ihre Kolleginnen | Foto: Privat
Im Kreise von Kolleginnen in den 1970er Jahren / Foto: Privat /
Die kleine Jutta Langer Foto: Privat
Die Kleine Jutta im
Alter von zwei Jahren. / Foto: Privat /

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