„Ein guter Ruf gehört dazu.”

„Praxis Records & Books“ | Foto: Giovanni Lo Curto
Wie die Musik, so die Bücher: nicht Kassenschlager stehen in den Regalen, sondern Gesellschaftskritisches. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Unstetes Berufsleben

Es ist nicht das erste Mal, dass Christoph Fringeli seine Zelte abbricht. „Ich bin in Hamburg geboren aber in Basel aufgewachsen.“ Seine musikalischen Wurzeln Mitte und Ende der 1980er Jahre beschreibt er mit dem Begriff Postpunknoisejazz. Allmählich fühlte er sich von der elektronischen Tanzmusik inspiriert und ging 1991 nach London. „Ich wollte aus Basel in eine große Stadt. Zweimal im Jahr fuhr ich ohnehin nach London, um mich mit Musik zu versorgen. Dort kannte ich ein paar Leute.“ Die Möglichkeiten, dort mit wenig Geld etwas zu unternehmen, waren damals noch gegeben. „Besetzer-Kooperationen wurden geduldet – als Zwischenlösung, bis es zur Gentrifizierung kam.“ Davon ist nichts mehr da. 1992 gründete er sein Label „Praxis“. Er organisierte mit anderen in einem besetzten Sozialzentrum in Brixton-London Veranstaltungen mit Musik, die von manchen als hedonistisch und zu wenig ernsthaft kritisiert wurden. „Der ewige Streit!“ kommentiert Christoph schmunzelnd. Im Jahr 2000 zog er nach Berlin, dann noch einmal wegen eines Arbeitsangebots in die Schweiz, bis es ihn 2006 wieder nach Berlin verschlug. „Hier ist noch manches im nichtkommerziellen Bereich möglich, was in Paris oder London wegen der Mieten längst nicht mehr geht.“ Ein bitteres oder hoffnungsvolles Resümee?
Als wir die Stühle in den Laden tragen, berichtet Jan von einem entgegengenommenen Anruf eines Hausverwalters. Sie sollen einen anderen, etwas größeren Laden bekommen, schon im November: Friedrichshain, Boxhagener Straße am Wismarplatz. Doch ein paar Tage später folgt die Absage. Die Suche geht weiter. Zeitzeiger drückt die Daumen.

 

www.praxis-records.net

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