Ehemaliges Sport- und Erholungszentrum in der Landsberger Allee | Postkarte um 1985

Ortsteil auf dem Trockenen

Schwimmhalle in der Holzmarktstraße | Foto: Giovanni Lo Curto
Architektonisch nicht jedermanns Geschmack, aber inzwischen historisch einmalig: die Schwimmhalle in der Holzmarktstraße. Denkmalschutzgerechte Sanierung oder Abriss und Neubau? Dass diese Schwimmhalle fehlt, scheint in der Auseinandesetzung darüber eher ein zweitrangiges Problem zu sein. / Foto: Giovanni Lo Curto /

Sportanlagen günstig bauen

Nachdem sich in der DDR das industrielle Bauen vollständig durchgesetzt hatte, waren bald auch kostengünstige Schwimmbäder von der Stange möglich. Hintergrund der forcierten Bautätigkeit von Schwimmbädern war, für den obligatorischen Schwimmunterricht die langen Wege zu weit entfernten Schwimmhallen zu verkürzen und übernutzten Schwimmhallen zu entlasten. Zudem wurde Breitensport in der DDR sehr viel mehr gefördert als heute, zumal dieser auch als aktive Gesundheitsvorsorge angesehen wurde. Außerdem: Anfang der 1970er Jahre waren die Mietskasernen nur selten mit Bädern und Duschen ausgestattet. Für viele bot sich hier die einzige Möglichkeit, warm zu duschen.

Einst Euphorie jetzt Pessimismus

Zwei von den Typenbauten erhielt Friedrichshain. Im Zuge der Sanierung und des teilweisen Neubaus des Barnimviertels wurde im Januar 1973 in der Weinstaße eine Volksschwimmhalle vom Typ C eröffnet. Mit gleicher äußerer Baukonstruktion wie andere Sport- und Kaufhallen war sie als erste genormte Voksschwimmhalle in Berlin auch ein Referenzobjekt, das einige Kopfzerbrechen verursachte, aber auch euphorisch in die Zukunft blicken ließ. Der CDU-Ortsverband „Strausberger Platz“ mobilisierte im Herbst 1972 freiwillige Aufbauhelfer. Wird sich der Bau als kostengünstig erweisen, dann kann jedes Jahr in Berlin eine neue Schwimmhalle gebaut werden, so versprach es die Berliner Zeitung im September 1972. Gleiche Schwimmhallentypen entstanden später auch am Anton-Saefkow-Platz und in der Hans-Loch-Straße (heute Sewanstraße) in Lichtenberg sowie in Mitte auf der Fischerinsel und an anderen Orten. Die Schwimmhalle Weinstraße wurde 1996 wegen Sanierungsbedarf zunächst nur für die Öffentlichkeit geschlossen, „vorübergehend“, wie es hieß. 2002 kam das Aus für diese und 14 weitere Schwimmbäder in Berlin. Der Senat hatte sich verspekuliert und die Bürger mussten es ausbaden, indem sie nicht mehr baden durften. Heute befindet sich an der Stelle der Halle an der Weinstraße ein Parkplatz. 1976 eröffnete die Schwimmhalle in der Holzmarktstraße, ebenfalls vom Typ Volksschwimmhalle C. Auch sie ist wegen Baufälligkeit erst vor ein paar Monaten geschlossen worden. Weitgehend im Originaldesign erhalten, hoffen Denkmalschützer auf eine behutsame Sanierung. Doch die Bäderbetriebe möchten gern auch Wohnungen bauen. Das geht nur mit Komplettabriss. Wer die Berliner Politik in punkto Stadtbäder in den letzten 20 Jahren beobachtet hat, kann eigentlich nicht mehr damit rechnen, dass hier je noch einmal geschwommen wird – höchstens die Politik in Erklärungsnot.

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