Großbetriebe sollten nach dem Willen der KPD eine Burg gegen die NSDAP sein. | Quelle: Der Rote Weidenweg von 1932

Licht aus, Messer raus

Mieterstreik | |Quelle: Der Rote Stern vom November 1932
Die Mieter organisierten ihren Protest selber und ließen sich von der KPD unterstützen. / Quelle: Der Rote Stern vom November 1932 /

Demagogie in Friedrichshain.

Von

„Haut ihn, dass die Fetzen fliegen, schmeißt den Kerl zum Fenster raus, Kinder haltet die Luft an, wir steh`n kurz vorm Ruin, haben nichts mehr anzuzieh`n, nur noch Klotzpantin und mit froher Mine wird geschrien: Licht aus, Messer raus!“, das war 1932 der Kneipenhit vom Orchester Otto Kermbach. Vor der Aufführung der „Gottlosen Revue“ des „Roten Kabarett“ rief ein kommerziell uninteressierter Sprecher mit Inbrunst: „Es geht durch die Welt ein Geflüster – Arbeiter, hörst du es nicht?“. Doch war Erich Weinerts Text „Der heimliche Aufstand“ nicht verboten. Darüber ärgerten sich am 28. Februar 1932 die Zensoren der politischen Polizei im Friedrichshainer „Schwarzen Adler“. Noch verärgerter waren die Zensoren über jene Szene der „Gottlosen Revue“, in der „eine wenig bekleidete Konfirmandin auf dem Schoß vom Priester im Ornat“ sitzt und nach dem Sündenfall gefragt antwortet: „Das haben wir doch erst gestern mit dem Herrn Pastor versucht“. Draußen, vor der Tür, war weniger erlaubt.

Treffpunkte

Am 7. Juli 1932 ging die Polizei gegen Demonstranten, die sich an der Schillingbrücke versammelten, mit Schlagstöcken vor. Grund: Singen verbotener Lieder. Nach einer Verfolgungsjagd versammelten sich die Teilnehmer in der Krautstraße, bis die Polizei auch dort den Knüppel schwang. Thema der Demonstration: die hohen Mieten. 1932 lag der Mietanteil bei 23% des Einkommens, meistens darüber. Mietrückstände waren die Regel. Vermieter Erich Koch aus Charlottenburg rief beim Polizeirevier in der Zellestraße an und sagte: „nur 4 Mieter in meinem Haus der Rigaer Straße 16 zahlen! In der Kleinen Markusstraße 3 verweigern 25 von 26 Mietern die Zahlung und in der Koppenstraße 47 alle Mieter“. Dort hing ein Plakat: „Erst der Magen, dann der Hauswirt“. Dieses und Aktionen gegen Exmissionen gingen auf die „Mieterstreikleitung“ im Haus Breslauer Straße 5 zurück, die sich aus Hausbewohnern und KPD-Leuten zusammensetzte. Mieterkämpfe waren ein großes Politikfeld der KPD in Friedrichshain. 47 Kneipen galten hier als KPD-Stützpunkte, die oft Ziele von Angriffen der SA wurden. SA-Leute aus dem „Keglerheim“ in der Petersburger Straße und der Kneipe von „Preiß“ in der Liebigstraße überfielen im August 1932 die benachbarte KPD-Kneipe. Fünf parteilose, darunter ein beinamputierter Kriegsinvalide, wurden von der SA zusammengeschlagen. Daraufhin erging ein Aufruf an die „Revolutionären Arbeiter des Ostens, mit der braunen Mordpest in der „Nazikaserne Preis Liebigstraße Ecke Weidenweg Schluß zu machen. Haltet eure Knüppel, Äxte usw. bereit“. Auf der Rückseite des Flugblattes standen Adressen von Geschäften, die wegen ihrer NS-Sympathie zu meiden waren.

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