Otto Nuschke bei der Parteiversammlung | Quelle: Bundesarchiv Bild 183-26500-0006 Foto: Wocka

Otto Nuschke und die Oberbaumbrücke

Otto Nuschke auf dem CDU-Partteitag | Quelle: Bundesarchiv Bild 183-26500-0006 Foto: Wocka
Otto Nuschke (links) mit Gerald Götting (rechts). Götting war von 1949 bis 1990 Volkskammerabgeordneter. / Quelle: Bundesarchiv Bild 183-26500-0006 Foto: Wocka /

Patriot?

Otto Nuschke trat nach dem ersten Weltkrieg für eine klassenübergreifende „Volksherrschaft“ ein und betonte: „die ältere Demokratie erschöpfte sich in politischen Forderungen“. Wie manche Politiker und Unternehmer der zwanziger Jahre kam er zu der Meinung, das Russland und Deutschland allein von ihrer geschichtlichen Entwicklung her zur wechselseitigen Unterstützung verpflichtet wären. Er gründete in der NS-Zeit einen illegalen Kreis, um jüdische Freunde und in einem Arbeitslager gefangene Frauen mit Lebensmitteln zu versorgen. 1946 gehörte er zu den Gründern der CDU in Ostdeutschland und hielt der SED entgegen: „Wenn wir von der führenden Rolle der Arbeiterklasse sprechen, so sagen damit wir gleichzeitig aus, daß der Aufbau des Sozialismus nicht das Werk der Arbeiterklasse und ihrer Partei allein sein kann, sondern daß die Zusammenarbeit aller Patrioten für die Erfüllung dieser großen Aufgabe notwendig ist.“

Partner?

Als die SED die „Volkskongressbewegung“ initiierte, schrieb Nuschke im Januar 1948: „Die CDU ist bestrebt, in Zusammenarbeit mit allen anderen antifaschistisch-demokratischen Parteien und Organisationen für die Einheit eines demokratischen Deutschlands, eine einheitliche deutsche Währung, den baldigen Abschluss eines Friedensvertrages und eine von einer Nationalversammlung gewählten Zentralregierung einzutreten.“ Über diese indirekte Zustimmung zur SED-Politik erreichte er eine Teilamnestie von politischen Häftlingen im Herbst 1948. Als Vertreter „bürgerlicher Kräfte“, wurde er nach Gründung der DDR zu einem von drei Stellvertretern des Ministerpräsidenten Otto Grotewohl ernannt. Das hinderte Nuschke 1950 nicht darin, im Hinblick auf den von Stalinistischer Willkür bestimmten „Waldheimprozess“ Rechtssicherheit in der DDR zu fordern.
Repräsentant?
Er verlor über die Einbindung in die Regierungsverantwortung der DDR bei vielen west-demokratisch eingestellten CDU-Mitgliedern sein Ansehen und galt als „wortbrüchig und unzuverlässig“. Zeigte sich die sowjetische Militärverwaltung unmittelbar nach 1945 „bürgerlich-christlichen Kreisen“ gegenüber noch aufgeschlossen und versuchte sie als Bündnispartner zu gewinnen, orientieren sich Kirchenverantwortliche um 1948 eher an der Politik der Westzonen. Um keine Untergrundarbeit zu fördern und eine offene Auseinandersetzung zu vermeiden, war Otto Nuschke der geeignete Partner für die SED. Er stand für die Koexistenz von Materialismus und Christentum. Nach dem 17. Juni 1953 verschärfte die SED ihren Kurs gegenüber allen „bürgerlichen Kräften“, Otto Nuschke wurde geehrt, Reden und Wortbeiträge gedruckt, doch Einfluss auf die Tagespolitik der DDR hatte er nicht mehr. Verständnis fand er bei den „linken“ Kräften der West-CDU um Gustav Heinemann, der die von Adenauer betriebene Westintegration ablehnte und gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik auftrat.

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