„Passat“ und „Lotos“ auf Stralau

Bootsanlage Objekt Insel
Bootsanlage Objekt Insel

Spione, die in die Kälte kamen

Im Bootshaus an der Tunnelstraße 26/27 wurde schon Ende 1989 jegliche Tätigkeit eingestellt. Diese „Operative Basis“ des MfS ging auf einen Vorschlag der MfS-Hauptabteilung XIX vom 3. Mai 1973 zurück. Ziel war, im Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und Polen „Sicherungskräfte konspirativ einzusetzen“, vor allem aber „Mißbrauchshandlungen (Fluchten) aus der inneren Abwehr heraus“ zu verhindern und aufzuklären. Projektant und Hauptauftragnehmer für das Projekt „Insel“ war von 1976 bis zum Abschluss im August 1978 das  VEB Kombinat Wasserstraßenbau. Abgesichert wurde das „Objekt“ durch Funkstreifenwagen der Volkspolizei. Zusätzlich hielten inoffizielle Mitarbeiter des MfS, wie „D. Nakath“ und „Rudolf“ die Augen offen. Das „Objekt“, ein niedriger Bau mit Spitzdach und Blick auf die Rummelsburger Bucht, war gut versteckt, von Neugierigen auf den Transitschiffen nicht zu entdecken.

Schlecht waren allerdings die Arbeitsbedingungen dort. Kondenswasser bildete sich in den Räumlichkeiten neben und über der Bootshalle, in der die zivilen Sportmotorboote vom Typ „Passat“ und „Lotos“ dümpelten. Die MfS-Mitarbeiter beschwerten sich über zu kalte Räume. Bei Außentemperaturen von minus 10 Grad lagen die Zimmertemperaturen nur um 16 Grad. Zusätzliche Heizsonnen überforderten die elektrischen Sicherungen. Obwohl neue Nachtspeicherheizungen eingebaut und andere Umbauten vorgenommen wurden, blieb „Insel“ ein ungeliebter Ort bei den Schlapphüten.
Erfolge konnte das MfS dennoch verzeichnen. So wurden beispielsweise am 6. November 1979 zwei Arbeiter des Glaswerks festgenommen. Sie hatten mit weißer Farbe auf das Dach des Sandlagers die weithin sichtbare Losung: „Arbeiter grüßen Prof. Havemann und Genossen!“ geschrieben. Dies wurde als „Vortäuschung einer inneren Opposition“ angesehen und geahndet.

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