BOXI BARRÉ | Foto: Giovanni Lo Curto

Boxi brennt – Swing aus dem Südkiez

Heiko Heat | Foto: David Beecroft
Heiko Heat – 2017 im RAW „Hinterm Haus“. / Foto: David Beecroft /

Musik mit deutschen Texten

Heiko Heat Marquardt ist Friedrichshainer – mit ein paar Unterbrechungen. Sein Interesse galt schon früh Songs mit deutschen Texten. „Zuerst war es natürlich Udo Lindenberg, der mich prägte. Dann hörte ich einmal den letzten Rest des Rauchhaus-Songs von Ton Steine Scherben auf einem Magnetband. Das faszinierte mich so sehr, dass ich anfing, den Text nach eigenen Vorstellungen zu vervollständigen, ohne dass ich überhaupt wusste, worum es dabei ging. Ich glaube, dass ich heute noch alle Songs von Rio Reiser mitsingen kann.” Zusammen mit einem Kollegen erreichte er in der DDR sogar eine Einstufung, als – wie es seinerzeit hieß: Solisten-Gruppe. Ohne eine solche Einstufung durfte man nicht auftreten. Das Duo nannte sich „Sebastian Sengewald und Dr. Karsten Kössler.” Der Song ‚An einem Sonntag in Berlin‘ mit Heikos markanter Stimme wird manchmal noch gespielt. „Meine Tochter war mal ganz happy, als sie diesen auf einem Festival gehört hat: ‚Das ist von meinem Vater!’” Heiko gehörte zu denen, die in den 1980er Jahren eine Marktlücke entdeckten, Klamotten schneiderten und an der Ostsee an Touristen verkauften. „Man konnte damals sehr gut leben davon. Ich habe das Zeug selbst genäht und mitunter bis zu zwei Schneiderinnen beschäftigt.”

Flucht im Kofferraum

Im Sommer 1989 trat in seinem Leben eine unerwartete Wendung ein. „An der Weißenseer Kunsthochschule lernte ich Paola Telesca kennen, eine Künstlerin, die heute eine Galerie in Pankow betreibt. Sie lebte damals im Westteil der Stadt, arbeitete als Studentin in der kolumbianischen Botschaft in Ostberlin und war sehr an der Ostberliner Szene interessiert. Sie sagte mir, diese Schule sei nichts für mich, sie würde mich vereinnahmen. Im Nachhinein bin ich auch froh, nicht in der DDR studiert zu haben.” Paola brachte Heiko im Kofferraum ihres Autos über die Grenze nach Westberlin. Heiko wohnte in Westberlin bei Paola und verfolgte gebannt am Fernseher das Geschehen im Ostteil der Stadt. Mit Renovierungsarbeiten in einem Café in der Kantstraße hielt er sich über Wasser. Als Ende Oktober 1989 in der DDR der Straftatbestand der Republikflucht aufgehoben wurde, traute er sich auch wieder in den Ostteil der Stadt. Das war am 9. November 1989, am Tag des Mauerfalls. Mit Paola Telesca verbindet Heiko bis heute eine innige persönliche und auch künstlerische Freundschaft. Nach 1990 hatte er viele Jahre im Kunsthaus Tacheles gearbeitet und schließlich auf dem RAW-Gelände seine Existenz als Fotograf aufgebaut.

Segewald und Dr. Kössler 1994 im Tacheles Skulpturenpark | Foto: Segewald & Kössler
Segewald und Dr. Kössler 1994 im Tacheles Skulpturenpark. / Foto: Segewald & Kössler /

Was sagst Du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.