Auszeichnungen für Trapo-Angehörige /| Quelle: Bundesarchiv Bild 183-85607-0002 Krisch, Werner, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Blickpunkt Bahnhof

Lange Haare waren einst ein Zeichen freier Männer. ´| Quelle:BStU
Lange Haare waren einst ein Zeichen freier Männer. / Quelle:BStU /

Alles anders

Im Dienstbereich der Deutschen Reichsbahn Berlin gab es 34 „Sicherheits- und Schadensverhütungskollektive“ und innerhalb derer sieben zentrale Sicherheitsaktive, eines davon im Ostbahnhof. Verdächtige wurden entweder in die Gruppe „ohne Ortskenntnisse“, von diesen hatte immer jemand einen Stadtplan dabei, oder in die Gruppe „mit den Verhältnissen in Berlin bekannt“, eingeteilt. Allerdings plante der Freund von Doris keine Republikflucht, sondern besorgte Bravo-Hefte und West-Schnittmusterbögen für den Kreis um den „Wacholz-Klub“ in der Kopernikusstraße. Damit leistete er der „ideologischen Diversion des Klassengegners Vorschub“, so die Genossen von der Trapo, die zum Jahreswechsel 1952/53 zu einer der Hauptverwaltungen des Ministerium für Staatssicherheit geworden war. 1957 kam die Trapo zur Verwaltung des Ministeriums des Innern. Der Anteil von MfS-Leuten in der Trapo blieb weiter bedeutend.

Konsequenzen

Jetzt waren dem „Bärbel-Wachholz-Klub“ in der Kopernikusstraße die Trapo, der ABV und das MfS auf den Fersen. Alle drei konstatierten: „Während der Partys wird viel Alkohol getrunken!“ Da „der Alkoholmißbrauch in seinen Erscheinungsformen den Prinzipien der sozialistischen Ethik und Moral widerspricht“, so die „Neue Justiz“ in Heft 9, und „infolge ständigen Alkoholmißbrauchs fortgesetzt die Arbeitsdisziplin verletzt und die Regeln des sozialistischen Zusammenlebens mißachtet“ wurden, gingen die Organe gegen die Gruppe vor. Der Freundeskreis wurde zur „Arbeitserziehung“ in verschiedene Berliner Großbetriebe geschickt.

Beifall

Bärbel Wachholz war ein Star in der DDR und Walter Ulbricht war ihr besonders zugetan. Zur gleichen Zeit, als die Staatsorgane dem „Bärbel-Wachholz Klub“ auf den Fersen waren, trat die Künstlerin nur zwei Straßen weiter im Klub der Nationalen Front auf. Die Kreisleitungen von SED und FDJ waren eingeladen. Sie gaben sich nach dem Abend begeistert von der Atmosphäre und dem Auftritt der Künstlerin. Wegen ihres angeblichen Luxuslebens fiel sie allerdings kurze Zeit später in Ungnade und wurde vorübergehend zur Arbeitserziehung ins Narva-Werk geschickt.

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