Christine und Gerhard Cyrus, Foto: Giovanni Lo Curto

„Wir suchten auch ein bisschen die Herausforderung.“

Christine Cyrus, Ende der 1960er, Foto: privat
Christine Cyrus, Ende der 1960er Jahre: „Für uns und unsere Kinder waren die Drechower Jahre eine schöne Zeit.“ / Foto: privat /

Frauen verbünden sich über die Mauer hinweg

Christine Cyrus, eine sehr lebendige Frau mit einem offenen, strahlenden Lächeln, hat schon vor 1989 Eigenes auf die Füße gestellt. Neben ihrer Arbeit in der Gemeinde ermöglichte sie auch Frauen der geteilten Stadt Begegnungen in einem Frauenkreis. Frauen aus dem Deutschen Frauenring planten 1980 einen Besuch in der DDR-Hauptstadt. Vorgesehen war ein Treffen mit der offiziellen Frauenorganisation der DDR. Doch wollten die Besucherinnen auch DDR-Frauen kennenlernen, die nicht staatlich organisiert sind. In die Wohnung des Pfarrerehepaars lud Christine daraufhin ganz unterschiedliche Frauen ein: eine Ökonomin, zwei Ärztinnen, eine Ingenieurin, eine Krankenschwester, eine Hausfrau, eine Organistin.
Daraus entstand der Kreis, der bis heute besteht. „Wir trafen uns regelmäßig in unseren Wohnungen und befragten uns gegenseitig: Wie funktioniert euer Schulsystem? Was ist für euch Emanzipation? Was sind eure Bedürfnisse als Frauen? Das war für uns ganz ungewöhnlich, dass wir als Frauen eigene Bedürfnisse artikulieren sollten.“ In der Wendezeit, als im Osten alles auseinander zu laufen drohte, waren es die Frauen aus dem Westen, die dran blieben und wissen wollten, wie es mit uns weiter ging. „Nun wurden wir in ihre Wohnungen nach Westberlin eingeladen.“

Ländliches Idyll und viel Arbeit

Christine Cyrus, wuchs auf einem großen Bauernhof in Oberzetzscha nördlich von Altenburg in Thüringen auf. „Gerhards Vater war mein Konfirmator!“, erklärt sie, „und Gerhard kam zu uns zum Arbeiten.“ In Erinnerung lächelnd schaut Gerhard Cyrus zu seiner Frau hinüber und setzt hinzu: „Ihr Vater war von den Sowjets verschleppt worden und die Mutter musste den Hof allein leiten.“ Der Theologiestudent wurde zu allen Arbeiten eingeteilt, die anfielen. „Es war körperlich anstrengend, aber ich wollte mich vom Studium entlasten.“ Immerhin war die Chefin so zufrieden, dass sie seinen Stundenlohn von einer Mark auf eine Mark fünfzig anhob. Viel Geld damals.

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