Christine und Gerhard Cyrus, Foto: Giovanni Lo Curto

„Wir suchten auch ein bisschen die Herausforderung.“

Jugendwerkstatt in der Galiläa-Kirche, 1982, Photo: privat
Jugendliche beim Besuch einer Jugendwerkstatt
in der Galiläa-Kirche 1982. / Foto: privat

Umstrittener Jugendtreff

1976 zog es sie nach Berlin: „Wir wollten nicht zurück in ein Dorf, wo man nach zwei Jahren weiß, wer dazugehört und wer nicht, und wo es starre Strukturen gibt. Ich war Mitte 40, Christine 37, und wir suchten auch ein bisschen die Herausforderung: eine Tätigkeit, in der unsere Erfahrungen in Team- und Gruppenarbeit gebraucht werden konnten.“ Gerhard wandte sich an Bischof Albrecht Schönherr, den er vom Predigerseminar kannte. Von den drei angebotenen Stellen in Berlin entschieden wir uns für die Galiläa-Gemeinde, von der wir auch gewählt wurden.“
Hier kam Gerhard zur Jugendarbeit, über deren Ereignisse ein ganzes Buch geschrieben werden könnte. „Nach den Gottesdiensten verabschiedete ich meine Besucher immer mit den Worten: ‚Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen.‘ Das nahmen 1978 ein paar junge Leute wörtlich, indem sie acht Tage später bei mir nach einem Raum fragten, in dem sie sich ungestört treffen könnten. So begann seine besondere Jugendarbeit, die noch immer nachstrahlt. Bis heute erzählen Frauen und Männer um die Fünfzig, die sich in Kultur- und Stadtteilprojekten engagieren, dass ihr Leben ohne den Treff in der Galiläa und die Begleitung durch „Cyrie“, wie sie den Pfarrer nennen, ganz anders verlaufen wäre. Dieser war nicht nur durch die Arbeit, die nie konfliktfrei verlief, sehr eingespannt. Im Klima der restriktiven Kultur- und Jugendpolitik der DDR musste er sie immer wieder auch vor staatlichen Verantwortlichen rechtfertigen. Auch einige Gemeindemitglieder standen dieser Arbeit skeptisch gegenüber.

Noch einmal Schulbank

Der Mauerfall änderte alles, auch Christines Berufsleben. In der Galiläa-Gemeinde arbeitete sie als Katechetin und Gemeindediakonin, sie war unter anderem für die Christenlehre, die Kindergottesdienste, die Junge Gemeinde und den Seniorenkreis verantwortlich. Nun übernahmen staatlich diplomierte Religionslehrer die Arbeit der Katechetinnen. Die West-Unterstützung der Gemeinden in der ehemaligen DDR fiel weg, so dass Anstellungen in der Gemeinde nicht mehr so einfach waren. Christine gehört zu den Katechetinnen, denen eine berufsbegleitende Qualifikation zur Religionslehrerin angeboten wurde. „Es war auch schön, noch einmal einzusteigen“, erinnert sie sich. „Ich war damals 52 Jahre alt, als ich in der Liebig-Schule angefangen habe.“ Gerhard fügt mit einem Lachen hinzu: „Das war für mich so ein schönes Bild: die Liebig-Schule liegt mitten in meiner Gemeinde und die Religionslehrerin dieser Schule ist zugleich meine Frau.“

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