Christine und Gerhard Cyrus, Foto: Giovanni Lo Curto

„Wir suchten auch ein bisschen die Herausforderung.“

Offener Abend in der Galiläa-Gemeinde in den 1980ern
Ein typischer offener Abend in den frühen 1980er Jahren in der Galiläa-Gemeinde

Offene Abende und neue Kiezbewohner

Zwischen der Gemeinde und der Schule entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit. Die Schulkinder kamen zur Hauptprobe des Krippenspiels so zahlreich, dass die Kirche voll war. Auch für den Aktionskreis „Kinder von Tschernobyl“ kam Engagement aus der Schule. „Früher wurden die Lehrer dazu angehalten, sich vollkommen von der Kirche abzugrenzen“, erklärt Gerhard Cyrus. „Jetzt hatte man das Gefühl, dass überall die Mauern einbrachen.“ Dazu gehörte auch, dass das übriggebliebene Schulessen zur Kirche gebracht werden konnte.
In der Umbruchszeit kamen aber mit den unangepassten Jugendlichen auch unbekannte Wanderer, interessante Menschen, etwa Studenten aus osteuropäischen Ländern oder Lateinamerikaner, die in Moskau studiert hatten und nun nicht recht wussten, wo sie hingehen sollten. Aber sie blieben nicht lange.
Zum Schluss waren es weit überwiegend Obdachlose und Suppenküchenleute, die regelmäßig zu den offenen Abenden kamen. „Ich regte kurz vor meinem Weggang an, dass jemand sich engagiert auf die unangepassten Jugenddlichen konzentriert“, erklärt Gerhard. „Aber eigentlich stand die Frage im Raum: ‚Ist das überhaupt noch Jugendarbeit?‘“
Natürlich interessierte sich der Gemeindepfarrer auch für die in die Rigaer Straße gezogenen Hausbesetzer. „Wir schätzten sie zuerst nach den Vorurteilen ein, die wir aus dem Westfernsehen kannten. Mit ein paar Leuten aus der Gemeinde sind wir in die besetzten Häuser reingegangen, um mit den neuen Bewohnern zu reden. Wir wollten auf jeden Fall Krawalle vermeiden. Doch die Besetzer sagten uns: ‚Darauf haben wir keinen Einfluss. Wir können nur für uns sprechen.‘“ Die Begegnung war überraschend: „Das waren Politikstudenten, die das als Experimentierfeld erlebten.“ Allerdings gab es keine lange Kontinuität bei diesen Einwohnern. „Das war wie eine Karawane, die weiter zog.“ Immer Neue zogen nach, zu denen kein Kontakt mehr aufgebaut werden konnte.

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