Christine und Gerhard Cyrus, Foto: Giovanni Lo Curto

„Wir suchten auch ein bisschen die Herausforderung.“

Gerhard Cyrus und Bischof Krummacher bei einer Glockenweihe, Foto: privat
Kirche demonstriert Präsenz im sozialistischen Staat.
Gerhard Cyrus (rechts) mit Bischof Krummacher bei einer Glockenweihe in Behrenwalde 1970. / Foto: privat /

In einer Vorpommerschen Dorfgemeinde

„Unsere erste Pfarre hatten wir von 1960-1970 in Drechow, südlich von Stralsund“ berichtet Christine. Das war ein Dorf mit 130 Einwohnern, zumeist ehemalige Gutsarbeiter. Hinzu kamen 13 umliegende Dörfer, die ebenfalls betreut werden mussten. Das Pfarrhaus war noch mit Flüchtlingen besetzt. Zu den Sonntagsgottesdiensten in die spätmittelalterliche Feldsteinkirche kamen vielleicht fünf Leute. „Die Menschen dort waren resigniert und verzweifelt“, erklärt Gerhard. „Sie hatten durch die Kollektivierung ihr Eigentum verloren. Als aus Stralsund ausgewiesene Leute hier angesiedelt wurden, hieß es: ‚Zu uns schicken sie jetzt schon Verbannte. Tiefer kann man nicht fallen!‘“ Damals glaubte die SED noch, dass es mit der Kirche bald vorbei sein würde. „Der Bürgermeister war gegen uns und die Frau des LPG-Vorsitzenden durfte nicht im Kirchenchor mitsingen“, erinnert sich die Pfarrersfrau. „Aber wir begannen die Gemeinde wieder zu sammeln.“ Zu den umliegenden Dörfern ging es mit dem Fahrrad, dann mit einem Motorrad, später mit dem Auto. Für die Konfirmanden gab es ein zu einem „Rüstzeitheim“ umgebautes Waschhaus, in dem sie sich alle vier Wochen zusammenfanden. „Dieses Zusammenleben hat uns auch Spaß gemacht“, resümiert Christine.

Neue Herausforderungen

Die nächste Station des Ehepaares war Greifswald, wo Gerhard Cyrus bis 1976 als Leiter des Seminars für kirchliche Dienste arbeitete. Lehrer und Schüler lebten und lernten dort in einer Lebensgemeinschaft. Es gab dort zum Beispiel für alle, einschließlich der Familie Cyrus, gemeinsame Mahlzeiten. „Unsere Aufgabe war, die jungen Leute so auszubilden, dass ihre fachliche Qualifikation der staatlichen entsprach und sie als Kinder- und Gemeindediakoninnen gleichzeitig auch christliche Inhalte vermitteln können.“

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