Großberliner Margarine-Fabrik | Quelle: SED-Propagandaschrift

Fettig

Kurt Oberjat | Quelle: Ermittlungsakten zum Prozess gegen Oberjat
Kurt Oberjat war eng mit der Westberliner Geschäfts- und Politikwelt verfilzt. Besichtigungen seiner Fabrik wurden zu Events. / Quelle: Ermittlungsakten zum Prozess gegen Oberjat /

Austausch

Die politischen Wellen der Blockade schlugen hoch und der Großberliner Magistrat ordnete an, dass zum „Schutze der Wirtschaft des Ostsektors und der Ostzone zum Transport von Waren aller Art über die Sektorengrenzen“ ab dem 10. November 1948 Freigabescheine erforderlich sein sollten. Sie mussten die Unterschriften und Dienstsiegel aller zuständigen Leiter im Haupternährungsamt tragen. Um „betrügerische Transporte zu verhindern“, wurden Kontrollpunkte eingerichtet. Der Friedrichshainer Kontrollpunkt war das Polizeirevier 87 am Schlesischen Bahnhof. Vor diesem Hintergrund fädelte Oberjat im September 1948 ein Tauschgeschäft mit der Firma Wiesner ein. Für eine „gute“ Margarine, die wenig später in den HO-Läden im Angebot stand, brauchte sie hochwertige Hartfette, die der MM zustanden. Die Märkische Margarine benötigte für ihre offizielle wie inoffizielle Massenware billige Pflanzenöle von Wiesner. Dank vieler Stempel kam dieser Deal zustande. Nun ging die Ware der MM vom Schlesischen Bahnhof aus bis nach Sachsen und die „gute“ Margarine an Westberliner, die bei der HO einkauften. Für die meisten Friedrichshainer war sie zu teuer.

Interna

Im November 1954 tobte in Westberlin der Wahlkampf. Im SPD-nahen Telegraf tauchten neben Berichten über den hohen Wassergehalt der märkischen Margarine Details auf, die in der Pension Uhlandeck am Kurfürstendamm Nr. 210, sie lag im Portfolio von Oberjat, zutage traten. Wegen des Verdachts auf gewerbsmäßige Kuppelei ließ Kriminaldirektor Link hier eine Razzia durchführen. Die Beamten stießen im „Speisezimmer“ auf einen Filmprojektor, der „Das Leben einer Schauspielerin“ zeigte, der aus „sumpfigen obszönen Darstellungen“ bestand. Eine Beschlagnahme war nicht möglich. Plötzlich trat aus dem „Fremdenzimmer“ ein Herr im Pyjama zu den Beamten. Mit barschen Worten jagte Herr Polizeipräsident Stumm seine untergebenen aus dem Haus. Oberjat nutzte das nichts. Während Wiesner als VEB-Betrieb weiterhin „gute“ Margarine produzierte, stand Oberjat 1956 in Westberlin wegen Steuerhinterziehung und Betrugs in großem Stil vor Gericht.

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