Ausflugsdampfer in Stralau | Quelle: Postkarte

Auf der Spree

Tourismus und Dampfer | Quelle: Werbebroschüre
Zielorte entwickelten sich zu kleinen touristischen Hotspots. / Quelle: Werbebroschüre /

Reisen in der Stadt auf dem Wasser

Das idyllische Gartenlokal von Tübbecke auf Stralau war seinerzeit eine gemächliche Reise wert. Eine Strompolizei wachte von der Jannowitzbrücke bis Grünau darüber, ob eine Geschwindigkeit von 7,5 Stundenkilometer auf der Wasserstraße und unter den Brücken von einem Meter per Sekunde eingehalten wurde. Die Dampferfahrten nach Stralau hatten bereits Tradition. Im August 1846 kaufte die Preußische Seehandlung für 31.500 Francs, ein niedliches Dampfboot von nur 12 Zoll (ca. 30 cm) Tiefgang „um es auf seichten Flussstrecken“ einzusetzen. Nach langen Genehmigungsverfahren veranstaltete im August und September 1859 die Reederei Kretschmer & Comp Fahrten von der Stralauer Brücke bis zur Halbinsel Stralau, gar bis nach Köpenick. Am 22. Februar 1864 genehmigte die Polizei die Einrichtung eines Anlegers in Form eines 24 mal 2,7 Meter großen Floßes an der Jannowitzbrücke. Die „Johanna“ des Berliner Dampfschiffvereins bot 120 Passagieren Platz. Sie war mit zwei „möblierten Kajüten“ ausgestattet und brach am 27. März 1864 zu einer Tour nach Alt-Stralau auf, kreuzte dann zum Treptower Ufer und schipperte bis Köpenick. Ein zweites Schiff der Reederei war die „Stralau“, ein drittes die nach einer Stralauer Kneipe benannte „Taverne“. Vom März 1865 an wurden die Fahrten regelmäßig durchgeführt. Bei günstigem Wetter fuhr man ab Februar. Die Dampfer verweilten nur kurz an ihren Zielorten. Es kam vor, dass verspätete Gäste am Ort blieben, so im Schöneweider Kaffeehaus, wo der Wirt Schlafstellen bis zur Wiederkehr der Dampfer einrichtete. An den ferneren Endpunkten der Dampfertouren entstanden daraufhin kleine Tourismuszentren. In der Saison 1872 zählte man über eine halbe Million Fahrgäste, von denen viele die Gelegenheit für einen Kurzurlaub nutzten, selbst wenn dieser nur eine Nacht und einen Morgen dauerte. Im September 1885 fuhr alle zwei Stunden ein Dampfer von der Jannowitzbrücke nach Stralau. Eine Fahrt von 80 Minuten zum Preis von 30 Pfennigen in der Woche und 40 Pfennigen am Wochenende. Obwohl nicht billig, war dieser Trip beliebt, und auf Nachfrage fuhr bei schönem Wetter alle halbe Stunde Nachmittags um 15 Uhr ein Dampfer bis nach Stralau.

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