Jenaer Mühsam-Fans am Rande des Kirchentags von Unten 1987 / Foto: Gabi Trier /

Sich fügen heißt lügen

Zenzl und Erich Mühsam im Dezember 1924, kurz nach Mühsams Haftentlassung. / Quelle: Privatsammlung /
Zenzl und Erich Mühsam im Dezember 1924, kurz nach Mühsams Haftentlassung.
/ Quelle: Privatsammlung /

Ein unangepasster Künstler

Der 1878 in Kiel geborene und dort aufgewachsene Erich Mühsam zeigte früh schriftstellerische Ambitionen und holte sich wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“ Ärger in der Schule ein. Aus tiefer Abneigung gegen jede Form von Despotie orientierte er sich an anarchistische Wertvorstellungen. Über Berlin gelangte er 1910 nach München, wo er sich mit politischen Freunden, Publizisten sowie Angehörigen der Bohème, aber auch mit Clochards umgab. 1918/19 nahm er an der Münchner Räterepublik teil, wofür er nach deren Niederschlagung 5 Jahre Haft verbüßte. Nach seiner Haftentlassung 1924 wirkte er politisch und schriftstellerisch fort, ohne sich vereinnahmen zu lassen. Anarchistische Gruppen agierten auch in Berlin, zum Beispiel in der Warschauer Straße in der Nähe des gleichnamigen Bahnhofs. Hier soll sich auch Erich Mühsam oft aufgehalten haben. Den beißenden Spott in seinen Schriften, der bis heute seine Frische bewahrt hat, verziehen ihm seine Gegner nicht. Seit seiner Verhaftung 1933 erlitt Mühsam im KZ Oranienburg ein Martyrium, bis er am 10. Juli 1934 dort umgebracht wurde.
Mühsams Frau Kreszentia (Zenzl), die nach dem Tod ihres Mannes in die Sowjetunion floh, wurde 1936 als angeblich trotzkistische Spionin verhaftet.

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