Leninplatz in Berlin | Foto: Robert Roeske, Bundesrachiv Bild 183-1988-1104-024, Wiki Commons

Leerstellen und Auffüllungen

Postkarte: Friedrichshainer Park, um 1900
Farbige Postkarte mit Bartholomäuskirche und Motiven des Friedrichshainer Parks, darunter das nicht mehr bestehende Kriegerdenkmal. Um 1900.

Denkmäler im Park

Gar nicht weit vom ehemaligen Lenin steht ein Denkmal mit einer ähnlich kuriosen Geschichte, das auch lange Zeit verbuddelt war und in Teilen wieder aufgetaucht und an den ursprünglichen Ort zurückgekehrt ist: Friedrich II. von Preußen, der Namensgeber des Parks, dessen Denkmal 1848 aufgestellt worden war. Fast zeitgleich mit der Aufstellung des Stalin-Denkmals 1951 verschwand die Bronzebüste Friedrichs mit samt dem steinernen Sockel und blieb bis nach der Wende verschwunden. Ein paar Jahre, nachdem der benachbarte Lenin im Märkischen Sand vergraben wurde, tauchte der deutlich ramponierte Denkmalssockel des mittlerweile sehr alten Fritz‘ bei Erdarbeiten unter einem Schuttberg wieder auf. Die verschwundene Bronzebüste ließ man nachgießen. Das ganze Ensemble wurde 2000 wieder aufgestellt, so dass der Fritz fast auf Lenins Leerstelle schauen kann. Ein anderes Denkmal aus Wilhelminische Zeit ist komplett verschwunden, ohne eine sichtbare Leerstelle hinterlassen zu haben. Am Eingang zum Volkspark am ehemaligen Landberger Platz an der Landsberger Allee stand ein großangelegtes Kriegerdenkmal für die Einigungskriege von 1866-71, das nach dem zweiten Weltkrieg den Zerstörungen, Umgestaltungen und politischen Präferenzen zum Opfer gefallen ist. Ein weiteres Denkmal bringt man nicht sofort mit der sonst oft martialischen wilhelminischen Denkmalästhetik zusammen. Vielleicht hat es auch deshalb bis heute überlebt. Es ist der Märchenbrunnen am anderen Eingang des Parks, der nach 12 jähriger Bauzeit zum 25. Jährigen Thronjubiläum Wilhelms II. 1913 eingeweiht wurde. Er fügte sich gut in die Mütter-, Kinder- und Bärenästhetik der sozialistischen Denkmäler ein.

Wandelbare Denkmäler?

Vor dem Hintergrund dieser ungewöhnlichen Denkmalgeschichte des Bezirkes stellt sich die Frage, was denn ein zeitgenössisches Denkmal sein könnte – oder ob es überhaupt eines braucht. Eine Idee wäre, jährlich neu bestückbare Denkmäler aufzustellen, deren Inhalte passend zu den Entwicklungen im Bezirk in einem bestimmten Rhythmus untereinander ausgetauscht werden. In unseren Internetzeiten ließe sich so ein Austauschdenkmal, das zum Beispiel jährlich mit Hilfe einer entsprechenden Online-Debatte, beziehungsweise -abstimmung neu bestückt wird, sicher gut realisieren.

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